Wohnrecht – Erlöschen bei Zwangsversteigerung

Beim Wohnrecht ist entscheidend, ob es an erster Rangstelle eingetragen ist oder ob evtl. an erster Rangstelle noch vorher eine Bankbelastung bleibt. Selbst wenn der Käufer einer Immobilie gegenüber dem älteren Menschen erklärt, er wird das Darlehen, das an erster Rangstelle im Grundbuch eingetragen ist, bedienen, besteht immer noch ein sehr großes Risiko, weil wenn er das Darlehen nicht bedient und es zu einer Zwangsversteigerung kommt, dann erlischt das Wohnrecht, weil es an zweiter Rangstelle steht und


Darlehen vorrangig sind, die durch eine grundbuchrechtliche Sicherheit abgesichert wurden. Dem ehemals Wohnberechtigten steht eine Abfindung aus dem Versteigerungserlös gemäß § 92 Abs. 2 ZVG zu. Dies hätte allerdings nur dann eine positive Auswirkung, wenn ein Versteigerungserlös übrig bleiben würde.

Der Berater, der eine derartige Vertragskonstellation wünscht, muss also diese Rechtslage kennen und den älteren Menschen auf das Risiko hinweisen, Aus der Praxis heraus kennen wir vielfach Fälle, bei denen eben gerade Käufer von Immobilien auf das Risiko nicht hingewiesen haben. Sie haben manchmal in Fällen, die uns bekannt sind, darauf hingewiesen, dass Sie Geldmittel für die Renovierung des Hauses benötigen. Es wird dem älteren Menschen vor-gegaukelt, dass Sie weiter wohnen können, dass das Haus sogar renoviert wird. Wenn dann erst eine Grundschuld eingetragen wird und die Grundschuld nicht bedient wurde, kommt es zur Zwangsversteigerung und Erlöschen des Wohn-rechts mit dem Hintergrund, dass der ältere Mensch die Wohnung verlassen muss.

Prof. Dr. Volker Thieler

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